Am Fuße des Burgberges hatte der Ritter von Stein auf Burg Liebenstein seine Dienstleute angesiedelt. Unter ihnen lebte auch der Kuhhirte, der Tag für Tag die Kuhherde seines Herrn auf die saftigen Wiesen trieb, die dazu geeignet waren, das Gedeihen der Tiere in hohem Maße zu fördern.
Besonders war es eine Kuh, die sich gut entwickelt hatte. Sie ging, was auffällig war, ihre eigenen Wege und hatte sich seit Beginn des Auftriebes stets von der Herde abgesondert. Sie bevorzugte immer das Gras in der Nähe eines Tümpels, und wenn sie durstig war, trank sie aus dem kleinen Weiher, der von einer uralten Weide beschattet wurde.
Durch das gute Aussehen dieses Tieres aufmerksam gemacht, war der Hirte einmal an die Stelle gegangen und fand, daß am Fuße der Weide eine starke Quelle hervortrat. Das Wasser setzt an Steinen und Pflanzen kleine Perlen an, und der Boden war rostig gefärbt.
Dies kam dem Hirten gar sonderlich vor. Nun einmal neugierig geworden, schöpfte er aus dem klaren Quell. Der prickelnde und erfrischende Trunk ließ ihn vermuten, dass es sich hierum ein besonderes Wasser handeln müsse. Eines Tages erzählte er nun seinem Herrn vondieser sonderbaren Quelle. Der Ritter überzeugte sich selbst an Ort und Stelle und berichtete davon seinem Lehnsherrn, dem Herzog Casimir von Coburg. Der Herzog ließ die Quelle von seinem Leibarzt untersuchen, der feststellte, dass es sich um eine Heilquelle handele, die für mancherlei Leiden von unschätzbarem Wert sei.
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