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Kurhistorie

Der Ursprung der Kur in Bad Liebenstein

1710 kaufte Friedrich Albert von Fischern das Amt Liebenstein von Herzog Ernst Ludwig I. von Sachsen-Meiningen (1672–1724) und ließ am Fuße des Burgbergs ein ansehnliches Schloss erbauen. Herzog Georg I. von Sachsen-Meiningen (1761–1803) kaufte jedoch 1800 das Amt für 110.000 Gulden zurück. Die beiden ehemaligen Dörfer Grumbach und Sauerbrunnenvereinte er zu einer Gemeinde und gab ihr den Namen Liebenstein. Und er begann, Liebenstein zu einem mondänen Kurort zu gestalten. Dazu veranlasste er zahlreiche Um- und Neubauten. Er ließ u.a. das „Schloss“ der Familie Fischer zum Kurhaus umbauen, einen Kurplatz anlegen und ein Bade- und Schauspielhaus errichten. Zu jener Zeit entstand auch die Brunnen-Promenade in der damaligen Hauptstraße (jetzt Herzog-Georg-Straße).

Doch ein Kurort braucht auch medizinisches Personal und eine Administration: Ein Brunnenarzt wurde nach Bad Liebenstein berufen, eine Badedirektion eingerichtet und eine Kurverwaltung geschaffen, die für die Unterhaltung und Zerstreuung der Gäste sorgte. Sogar der Dichterfürst und Weimarer Minister Johann Wolfgang von Goethe stand dem Herzog beratend zur Seite. Und so wurde Liebenstein zu einem Treffpunkt von Adel und Prominenz, der mit glänzenden Festen, Maskeraden und Theatervorstellungen reichlich Vergnügen und Zerstreuung bot. Die Mitgliederliste der von Herzog Georg I. gegründeten Brunnengesellschaft, liest sich wie das Who is Who der Goethezeit: Jean Paul (1763–1825), Friedrich Mosengeil (1773–1839), Johann Ernst Wagner (1769–1812),

Herzog Karl August von Weimar (1757–1828), die Fürsten von Schwarzburg, Reuß und Hessen-Philippstal sowie Gelehrte aus allen Teilen Deutschlands. In der Gästeliste dieser Zeit taucht unter anderem auch Charlotte von Stein (1742–1827) auf.

1803 starb Herzog Georg I., doch seine Frau Herzogin Eleonore (1768–1837) verfolgte während ihrer Regentschaft dessen Ideen zum Ausbau von Liebenstein weiter: Von 1804 bis 1806 entstand das Fürstenhaus, das später durch Heirat an das Haus Weimar überging und heute den Namen „Palais Weimar“ trägt. 1814 wurden die acht Hauptmineralquellen neu gefasst und in ein Reservoir geleitet. Darüber errichtete man den noch heute bestehenden Brunnentempel. 

1834 „adelte“ Königin Adelheid von England, eine Tochter Herzog Georgs I. von Sachsen-Meiningen, Liebenstein mit ihrem Besuch. Der Kurort entwickelte sich zu einer „europäischen Hofburg“, wo sich „gekrönte Häupter“, Minister, Gesandte, Schwert-, Berufs- und Geldadel, schreiblustige Literaten, Zeitungsredakteure und schaulustiges bürgerliches Publikum ein Stelldichein gaben. 1860 ließ der Erbprinz Georg von Sachsen-Meiningen die Villa Feodora als seinen Sommersitz erbauen.

Seit 1907 trägt Liebenstein die Bezeichnung „Bad“. 1913 erwarben die Gräfin Sophie von Rüdiger (1840–1926) und der Augenarzt Maximilian Friedrich Joseph Graf von Wiser (1861–1938) das Bad und führten es unter dem Namen „Gräfliches Stahlbad Liebenstein“ weiter. Dr. Graf Wiser verlegte seine Augenpraxis von Wiesbaden hierher und holte viele seiner Patienten aus allen Teilen der Welt nach Bad Liebenstein. In dieser Zeit entstanden eine Wandelhalle und ein Musiktempel. Der Kurgarten wurde umgestaltet und vergrößert. 

Der neu auflebende Badebetrieb erfuhr während der zwei Weltkriege eine jähe Unterbrechung: Bad Liebensteins Kurhäuser und Hotels wurden in dieser Zeit zu Lazaretten umfunktioniert. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde Bad Liebenstein „Volksheilbad“. Die Gemeinden Bad Liebenstein, Schweina und Bairoda schlossen zur Großgemeinde zusammen und erhielten 1959 das Stadtrecht. Bad Liebenstein war in der ehemaligen DDR das größte Heilbad für Herz- und Kreislauferkrankungen und einer der beliebtesten Kurorte. Nach 1989 entwickelte sich eine neue Struktur im Kurbereich: Es entstanden 3 Rehabilitationskliniken, die mit zu den bestenin Deutschland gehören. 2009 eröffnete die Stadt das Kurhaus – das Gesundheits- und Wellnesszentrum Bad Liebenstein. Innovative Gesundheitskonzepte mit ganzheitlichen Therapieangeboten prägen das Konzept der Einrichtung.

Berühmte Kurgäste

Sicher begründete auch das „reizende Idyll“ (Ludwig Bechstein) den europäischen Ruf des fürstlichen Modebades Bad Liebenstein – doch nicht allein: Denn stets war man hier bestrebt, wissenschaftlich und literarisch interessierten Zeitgenossen einen intellektuellen und inspirierenden Ort zu bieten.

Entsprechend lang ist die Liste bedeutender Gelehrter aus allen Bereichen, die das Bad immer wieder aufsuchten oder ihren Wohnsitz hier fanden. Zu ihnen gehörten Jean Paul (1763–1825), Charlotte von Stein (1742–1827), Viktor Scheffel (1826–1886) und Gerhart Hauptmann (1862–1946) ebenso wie Johanna Schopenhauer (1766–1838) und der plattdeutsche Dichter und Schriftsteller Fritz Reuter, der von seinem späteren Wohnsitz Eisenach regelmäßig zur Kur nach Bad Liebenstein kam. Neben Friedrich Fröbel (1782–1852), dem großen Erzieher und Begründer des Kindergartens, hinterließ auch der spätromantische Maler Ludwig Richter (1803–1884) seine Spuren in Bad Liebenstein.

Nicht nur die Kunstwelt, auch die Gelehrtenkreise zog es zum „Gesundbrunnen zu Liebenstein“, kamen doch schließlich aus ganz Europa Gäste in das Kurbad und erhofften sich Heilung oder Linderung von vielfältigen Leiden. Der Sommer 1843 bildete für das Badeleben in Bad Liebenstein einen Höhepunkt, denn die englische Königin Adelheid, die älteste Tochter des meiningischen Herzogs Georg I. (1761–1803) und der Herzogin Luise Eleonore (1768–1837), kam mit Gefolge zur Kur. Noch zweimal weilte sie später zur Kur in Bad Liebenstein.