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Die Liebensteiner Romantik

1800–1914
Die Anfänge

Liebensteiner Romantik

Als Liebensteiner Romantik wird die Epoche zwischen 1800 und 1914 bezeichnet. Der Begriff wurde erstmals am 12. November 2012 auf einer kulturhistorischen Podiumsdiskussion im Palais Weimar gebraucht. Seit 1800 prägte das Herzoghaus von Sachsen-Meiningen die Entwicklung des Kurortes Bad Liebenstein. Durch die nahegelegene Sommerresidenz Schloss Altenstein und die damit einhergehende hohe Frequenz von adligen Badegästen und Künstlern aus ganz Europa entwickelte sich dieser Ort im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einem mondänen Modebad. Die Herzogsfamilie von Sachsen-Meiningen investierte in die Kurinfrastruktur sowie in Villen, Theater, Parkanlagen, Palais, Gästehäuser und kulturelle Veranstaltungen, die wiederum weiteres Publikum anlockten. Das erhaltene historische Kurviertel mit Brunnentempel, Theater, Palais Weimar, Wandelhalle, Langem Bau, dem Kurhotel Kaiserhof, dem ehemaligen Hotel Herzogin Charlotte, dem Haus Sophie und der Villa Feodora wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts angelegt und bebaut und ist bis heute stadtbildprägend.

Definition

Der Begriff der Liebensteiner Romantik ist kulturhistorisch noch nicht etabliert, wird aber zunehmend in Bad Liebenstein selbst zur Bezeichnung einer den Ort prägenden städtebaulichen und kulturhistorischen Epoche – im Sinne eines erweiterten Romantik-Begriffs – verwendet. In Beschreibungen des Bades Liebenstein, insbesondere aus dem 19. Jahrhundert, werden das Bad, seine geografische Lage am Südhang des Thüringer Waldes und seine Sehenswürdigkeiten mit romantisierenden Begrifflichkeiten beschrieben:

„Von welcher Straße her du auch gekommen seyn magst [...], von jeder Seite her stehst du froh betrachtend still, um das unter Fruchtbäumen halbversteckte, am Fuße eines waldigen Hügels ruhende Dorf zum ersten Mal zu grüßen.“

„Wer von unsern Lesern in Liebenstein gewesen ist, der kennt gewiß die unter den riesigen Dolomitfelsen des Altensteins sich hinziehende große Glücksbrunner-Höhle mit ihren labyrinthischen Gängen, eine der sehenswerthesten Merkwürdigkeiten, – nicht blos dieser Gegend, sondern Deutschlands – und erinnert sich auch des wahrhaft zauberhaften Eindrucks, den diese Höhle besonders dann macht, wenn sie an Sonntagen von tausend leuchtenden Flämmchen funkelt und strahlt und durch diese Erleuchtung zu einem Feentempel mit hohen, schimmernden Zaubergewölben verklärt ist, wenn dann die unterirdischen Wasser rauschen, wenn leise Töne durch die weiten gewundenen Gänge ziehen, und sanftes Echo antwortet und die Klänge sich gleichsam suchen wie sehnende Menschenherzen, bis sie sich in treuinniger Liebe gefunden haben.“